3 Quellen zeigen, wie gut ein Pflegeheim pflegt
Drei Quellen sagen Ihnen etwas über die Pflege in einem Heim, und alle drei kosten nichts. Die erste ist der Bericht über die letzte Qualitätsprüfung durch den Medizinischen Dienst, den Gutachterdienst der Kranken- und Pflegekassen.
Die zweite Quelle sind zehn Messwerte, die jedes Pflegeheim seit 2022 alle sechs Monate selbst erhebt. Ein Wert zählt zum Beispiel, wie viele Bewohner schwer gestürzt sind. Die dritte Quelle sind Ihre eigenen Eindrücke bei einem Besuch im Heim.
Die Pflegekassen müssen Prüfergebnisse und Messwerte verständlich und kostenlos im Internet veröffentlichen. Sie finden sie auf den Suchseiten der Kassen, etwa im AOK-Pflegenavigator, im BKK Pflegefinder, im Pflegekompass der Knappschaft und im Pflegelotsen der Ersatzkassen.
Über die Stimmung im Haus und den Umgangston sagen diese Ergebnisse nichts. Der Besuch vor Ort bleibt deshalb der wichtigste Teil Ihres Vergleichs.
Seit 2019 bekommen Pflegeheime keine Schulnoten mehr
Bis 2019 bekamen Pflegeheime Schulnoten von 1,0 bis 5,0. Die Noten standen in der Kritik, weil ein Heim schwere Mängel in der Pflege mit guten Noten in weniger wichtigen Bereichen ausgleichen konnte.
Seit 2019 gibt es keine Gesamtnote mehr. Die Pflegekassen und die Verbände der Heimbetreiber haben dafür eine neue Darstellung vereinbart. Sie zeigt jeden geprüften Bereich einzeln und vergleicht die Messwerte mit dem Durchschnitt aller Heime.
Die Prüfergebnisse stehen in vier Stufen, die Messwerte in fünf Stufen. Die Begriffe auf den Vergleichsseiten der Pflegekassen bedeuten Folgendes.
| Stufe auf der Vergleichsseite | Gehört zu | Was es für Sie heißt |
|---|---|---|
| Keine oder geringe Qualitätsdefizite | Prüfbericht | Keine oder nur kleine Mängel |
| Moderate Qualitätsdefizite | Prüfbericht | Einzelne Mängel, fragen Sie nach |
| Erhebliche Qualitätsdefizite | Prüfbericht | Deutliche Mängel, lassen Sie sich die Abhilfe erklären |
| Schwerwiegende Qualitätsdefizite | Prüfbericht | Schwere Mängel, fragen Sie besonders genau nach |
| Weit über dem Durchschnitt | Messwert | Deutlich besser als die meisten Heime |
| Leicht über dem Durchschnitt | Messwert | Etwas besser als üblich |
| Nahe beim Durchschnitt | Messwert | Im üblichen Bereich |
| Leicht unter dem Durchschnitt | Messwert | Etwas schlechter als üblich |
| Weit unter dem Durchschnitt | Messwert | Deutlich schlechter als die meisten, fragen Sie nach dem Grund |
Welche 10 Messwerte meldet jedes Pflegeheim?
Die Messwerte zeigen, wie es den Bewohnern geht. Jedes Heim erhebt sie zweimal im Jahr und meldet sie an eine zentrale Auswertungsstelle, die sie mit allen anderen Heimen vergleicht.
| Was gemessen wird | Ein gutes Ergebnis heißt |
|---|---|
| Beweglichkeit | Die Bewohner bewegen sich nach einiger Zeit im Heim nicht schlechter als vorher. |
| Selbstständigkeit im Alltag | Waschen, Anziehen und Essen klappen so lange wie möglich ohne Hilfe. |
| Tagesablauf und Kontakte | Die Bewohner gestalten ihren Tag und ihre Kontakte weiter selbst. |
| Druckgeschwüre | Im Heim entstehen wenige neue wunde Stellen vom Liegen. |
| Stürze mit schweren Folgen | Wenige Bewohner verletzen sich bei einem Sturz schwer. |
| Ungewollter Gewichtsverlust | Wenige Bewohner nehmen ungewollt ab. |
| Gespräch nach dem Einzug | Das Heim führt nach dem Einzug ein geplantes Gespräch über die Eingewöhnung. |
| Gurte | Das Heim setzt selten Gurte ein. |
| Bettgitter | Das Heim setzt selten Bettgitter ein. |
| Schmerzen | Das Heim erfasst Schmerzen regelmäßig neu. |
Auf manchen Vergleichsseiten stehen mehr als zehn Zeilen. Das liegt daran, dass einige Werte für zwei Gruppen von Bewohnern getrennt stehen, für Bewohner mit geringem und mit hohem Risiko.
Ein Heim, das viele schwer kranke Menschen aufnimmt, erreicht schwerer gute Werte. Die Auswertung berücksichtigt das und vergleicht Bewohner mit ähnlichem Risiko. Ein einzelner schlechter Wert ist deshalb ein Grund zum Nachfragen, aber noch kein Urteil.
Bei Gurten und Bettgittern ist es gut, wenn das Heim sie selten einsetzt, denn beide schränken die Bewegungsfreiheit ein. Wann ein Heim sie einsetzen darf, gehört zu den Rechten im Pflegeheim.
Wie oft wird ein Pflegeheim geprüft?
Ein Pflegeheim wird spätestens ein Jahr nach der letzten Prüfung wieder geprüft. Hatte es zuletzt sehr gute Ergebnisse, darf der Abstand seit Januar 2023 bis zu zwei Jahre betragen. Die Prüfung übernimmt meist der Medizinische Dienst, der Gutachterdienst der Kranken- und Pflegekassen.
Liegt die letzte Prüfung fast zwei Jahre zurück, kann das ein gutes Zeichen sein. Fragen Sie das Heim, ob es den längeren Abstand wegen guter Ergebnisse bekommen hat. Die Pflegekassen teilen das dem Heim mit.
Neben der regelmäßigen Prüfung gibt es Prüfungen aus besonderem Anlass, etwa nach Beschwerden von Angehörigen. Solche Anlassprüfungen kommen in der Regel unangemeldet. Eine spätere Wiederholungsprüfung kann zeigen, ob das Heim gefundene Mängel behoben hat.
Auftrag
Die Pflegekassen des Bundeslandes beauftragen die Prüfung. Das Heim muss die Prüfer hereinlassen.
Prüfung im Heim
Die Prüfer sehen sich die Pflege einzelner Bewohner an und sprechen mit den Pflegekräften.
Bericht
Das Heim, die Pflegekassen und die Heimaufsicht bekommen den Prüfbericht. Die Heimaufsicht ist die Behörde des Bundeslandes, die Pflegeheime überwacht.
Veröffentlichung
Die Pflegekassen stellen die Ergebnisse kostenlos und verständlich ins Internet.
Folgen bei Mängeln
Die Pflegekassen verlangen, dass das Heim die Mängel behebt. Die Heimaufsicht kann zusätzlich eingreifen.
Wie viele Pflegekräfte arbeiten im Pflegeheim?
Wie viel Personal ein Heim einplanen darf, hängt vom Pflegegrad der Bewohner ab, also von ihrer Einstufung durch die Pflegekasse von 1 bis 5. Seit Juli 2023 legt das Gesetz dafür je Pflegegrad eine Obergrenze fest. Je mehr Bewohner einen hohen Pflegegrad haben, desto mehr Personal darf das Heim einplanen.
Für Sie zählt vor allem, ob die Stellen auch besetzt sind. Fragen Sie beim Besuch, wie viele Stellen gerade frei sind, wie oft Leiharbeitskräfte einspringen und wie oft das Personal wechselt.
Seit September 2022 muss jedes Heim mit Kassenzulassung seinen Pflege- und Betreuungskräften mindestens Tariflohn zahlen. Ohne diese Bezahlung bekommt es keinen Vertrag mit den Pflegekassen. Beim Vergleich zweier zugelassener Heime hilft die Frage nach dem Tarif deshalb kaum weiter.
Was prüfen Sie beim Besuch im Pflegeheim selbst?
Die veröffentlichten Ergebnisse helfen Ihnen, aus den Heimen mit freien Pflegeheimplätzen zwei oder drei auszuwählen. Den Besuch ersetzen sie nicht. Gehen Sie zweimal hin, zum Beispiel einmal am späten Nachmittag und einmal am Wochenende. Dann arbeitet oft eine andere Schicht als am Vormittag.
7 Dinge, die Sie in einer Stunde vor Ort erkennen
- Sitzen Bewohner lange allein im Flur oder im Aufenthaltsraum, ohne dass jemand mit ihnen spricht?
- Klingelt es lange, ohne dass jemand kommt?
- Riecht es in den Fluren an mehreren Stellen nach Urin?
- Hilft jemand beim Essen, oder stehen Teller unberührt herum?
- Spricht das Personal die Bewohner mit Namen an, und wie freundlich ist der Ton?
- Hängt ein Speiseplan aus, und können die Bewohner zwischen Gerichten wählen?
- Gibt es einen Bewohnerbeirat, also eine gewählte Vertretung der Bewohner, und wann hat er zuletzt getagt?
So vergleichen Sie zwei Pflegeheime in 5 Schritten
- Rufen Sie die Ergebnisse beider Heime auf der Suchseite einer Pflegekasse ab und notieren Sie alle Bereiche mit erheblichen oder schwerwiegenden Qualitätsdefiziten.
- Vergleichen Sie die zehn Messwerte einzeln, Wert für Wert.
- Fragen Sie beide Heime nach der letzten Prüfung, nach offenen Stellen und nach Leiharbeit.
- Besuchen Sie beide Heime zweimal und sprechen Sie mit Angehörigen anderer Bewohner.
- Fragen Sie, ob Ihre Mutter vor der Unterschrift einmal mitessen oder zur Probe wohnen kann.
Häufige Fragen
Gibt es noch Pflegenoten für Pflegeheime?
Nein, Pflegenoten für Pflegeheime gibt es seit 2019 nicht mehr. Heute stehen die Prüfergebnisse für einzelne Bereiche in vier Stufen, von keinen oder geringen bis zu schwerwiegenden Qualitätsdefiziten. Eine Gesamtnote gibt es nicht.
Welche Werte zur Pflegequalität muss ein Pflegeheim melden?
Jedes Pflegeheim meldet seit 2022 alle sechs Monate zehn Werte zur Pflegequalität. Sie zeigen etwa, wie viele Bewohner schwer gestürzt sind, ungewollt abgenommen haben oder neue Druckgeschwüre bekommen haben. Die Werte werden mit allen anderen Pflegeheimen verglichen.
Wie oft wird ein Pflegeheim vom Medizinischen Dienst geprüft?
Ein Pflegeheim wird spätestens ein Jahr nach der letzten Prüfung wieder geprüft. Hatte es zuletzt sehr gute Ergebnisse, darf der Abstand seit 2023 bis zu zwei Jahre betragen. Bei Hinweisen auf Mängel, etwa nach Beschwerden, prüft der Medizinische Dienst zusätzlich und in der Regel unangemeldet.
Wo finde ich die Prüfergebnisse eines Pflegeheims?
Die Prüfergebnisse eines Pflegeheims stehen kostenlos auf den Suchseiten der Pflegekassen. Dazu gehören der AOK-Pflegenavigator, der BKK Pflegefinder, der Pflegekompass der Knappschaft und der Pflegelotse der Ersatzkassen. Vor der Unterschrift unter den Heimvertrag muss Ihnen das Heim die Ergebnisse außerdem selbst mitteilen.
Muss ein Pflegeheim seinen Pflegekräften Tariflohn zahlen?
Ja, ein Pflegeheim mit Kassenzulassung muss seinen Pflege- und Betreuungskräften seit September 2022 mindestens Tariflohn zahlen. Ohne diese Bezahlung bekommt es keinen Vertrag mit den Pflegekassen. Beim Vergleich zweier zugelassener Pflegeheime hilft die Frage nach dem Tarif deshalb kaum weiter.
